Die Weltwirtschaft steht vor einer neuen Belastungsprobe. Geopolitische Risiken, insbesondere der anhaltende Konflikt im Nahen Osten, treiben die Energiepreise nach oben und erhöhen die Unsicherheit für Unternehmen, Verbraucher und Finanzmärkte. Entscheidend für den weiteren Verlauf bleibt, ob zentrale Handelsrouten wie die Straße von Hormus offen sind.
Nach Einschätzung der SEB ist ein erneuter Inflationsschock wie in den Jahren 2021 und 2022 derzeit jedoch eher unwahrscheinlich. Zwar wirken höhere Energiepreise kurzfristig preistreibend, doch die Auswirkungen auf die Kerninflation und die mittelfristige Konjunktur dürften begrenzt bleiben. Aktuell überwiegen die Risiken für das Wirtschaftswachstum.
„Viele fragen sich, ob wir vor einer neuen Inflationskrise wie 2022 stehen und ob die Notenbanken erneut massiv eingreifen müssen“, sagt Jens Magnusson, Chefökonom der SEB. „Dieses Szenario ist möglich, aber eher unwahrscheinlich. Die Rahmenbedingungen haben sich verändert. Deutlich größer sind derzeit die Risiken für das Wachstum.“
Energiekrise belastet Konjunktur
Unternehmen, private Haushalte und Märkte haben sich in den vergangenen Jahren als anpassungsfähig erwiesen. Diese Widerstandskraft stützt die Konjunktur auch weiterhin. Zudem wirken Investitionen in Zukunftsbereiche wie Künstliche Intelligenz, Energiewende und Sicherheitspolitik stabilisierend. Gleichzeitig bleibt die Energiekrise ein zentraler Belastungsfaktor – selbst über eine mögliche politische Entspannung im Nahen Osten hinaus. Trotz gesenkter Prognosen rechnet die SEB für 2026 mit einem weltweiten Wirtschaftswachstum von rund drei Prozent und mit einem leicht höheren Tempo im Jahr 2027. Europa und große Teile Asiens sind stärker betroffen als die USA, da ihre Volkswirtschaften stärker von Energieimporten abhängen.
„Das Wachstum verlangsamt sich nach einem vergleichsweise starken Jahresstart“, erklärt Daniel Bergvall, Leiter der Konjunkturprognosen bei der SEB. „Ohne die Energiekrise hätten wir unsere Prognose sogar angehoben. Unser Basisszenario geht davon aus, dass sich der Konflikt vor dem Sommer entschärft und die Straße von Hormus schrittweise wieder geöffnet wird. In diesem Fall erwarten wir keine schwere Rezession. Das Risiko eines länger andauernden Konflikts hat jedoch zugenommen, weshalb nun eindeutig die Abwärtsrisiken überwiegen. Der Energiemarkt lebt auf geborgte Zeit.“
Notenbanken agieren vorsichtig
Seit Beginn des Konflikts haben sich die Erwartungen an die Geldpolitik spürbar verschoben. Statt Zinssenkungen rechnen viele Marktteilnehmer erneut mit Zinserhöhungen. Aus Sicht der SEB ist diese Neubewertung teilweise überzogen.
“In gewisser Weise bedeuten die angespannteren finanziellen Rahmenbedingungen, dass der Markt einen Teil der Arbeit der Zentralbanken für sie übernimmt. Wir halten die Preisentwicklung jedoch für etwas übertrieben,“ sagt Jens Magnusson. „Wir gehen davon aus, dass die meisten Zentralbanken die kommenden Daten abwarten und keine voreiligen Entscheidungen treffen werden. Die Prognose lautet, dass die Fed den Zinssatz zum Jahresende erneut senken wird, während die EZB im Juni eine vorsorgliche Zinserhöhung vornehmen wird.“
Für die USA rechnet die SEB mit einer ersten Zinssenkung der Notenbank erst gegen Ende des Jahres. Die Europäische Zentralbank dürfte im Sommer vorsorglich die Zinsen anheben.
Begrenzter Spielraum für staatliche Hilfen
Auch die Fiskalpolitik stößt in vielen Ländern an Grenzen. Nach Finanzkrise, Eurokrise und Pandemie sind zahlreiche Staaten hoch verschuldet. Der Spielraum für umfangreiche Konjunkturprogramme ist begrenzt. Stattdessen dürften Regierungen verstärkt auf gezielte und zeitlich befristete Maßnahmen setzen, um hohe Energiepreise abzufedern.
„Gerade Länder mit einer hohen Abhängigkeit von fossiler Energie haben häufig bereits hohe Staatsschulden“, warnt Bergvall. „Ausgerechnet sie verfügen über den geringsten Handlungsspielraum. Große Konjunkturpakete könnten zudem das Vertrauen der Märkte schwächen und eine straffere Geldpolitik erzwingen.“
Kerninflation bleibt gedämpft
Trotz steigender Energiepreise sieht die SEB bislang keinen deutlichen Anstieg der Kerninflation. Historisch ist der Zusammenhang zwischen Energiepreisen und der zugrunde liegenden Inflation schwach ausgeprägt. Erst deutlich höhere Preise oder massive Störungen von Transport und Produktion würden den Preisdruck spürbar erhöhen.
„Der jüngste Anstieg der Energiepreise fällt im historischen Vergleich moderat aus“, sagt Magnusson. „Derzeit sehen wir größere Risiken für eine schwächere als für eine stärkere Kerninflation.“
Lesen Sie hier den vollständigen Nordic Outlook für Mai 2026.
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