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Sommer 2026: Geopolitische Krisen und robuste Märkte prägen das Wirtschaftsumfeld

Jens Magnusson und Malte Meuller
Jens Magnusson ist Chefvolkswirt bei der SEB und Malte Meuller ist Economist bei der SEB

Der Sommer 2026 war geprägt von geopolitischen Spannungen, extremen Wetterereignissen und einer anhaltenden Debatte über Inflation, Zinsen und künstliche Intelligenz. Gleichzeitig zeigten sich die Finanzmärkte erstaunlich widerstandsfähig. Jens Magnusson, Chefvolkswirt der SEB, und Volkswirt Malte Meuller ordnen die wichtigsten Entwicklungen der vergangenen Monate ein.

Viele der Themen, die bereits das Frühjahr bestimmten, standen auch im Sommer im Mittelpunkt: Konflikte im Nahen Osten und in der Ukraine, schwankende Energiepreise, politische Unsicherheiten sowie die Frage, wie die großen Zentralbanken auf die wirtschaftliche Entwicklung reagieren werden. Mit Blick auf die kommenden Monate lohnt sich ein Rückblick auf die wichtigsten Ereignisse und Trends.

Den vollständigen Rückblick mit Grafiken, Tabellen und Abbildungen finden Sie hier (PDF).

Anhaltende Spannungen im Nahen Osten

Am 17. Juni vereinbarten die USA und der Iran ein vorläufiges Abkommen, das eine schrittweise Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus ermöglichen sollte. Dennoch blieben wesentliche Streitpunkte ungelöst, darunter Irans Atomprogramm, bestehende Sanktionen und der breitere Konflikt im Nahen Osten, einschließlich der anhaltenden israelischen Angriffe im Libanon.

Die erneute Eskalation Anfang Juli kam daher nicht überraschend. Meldungen über mögliche Fortschritte in Richtung Frieden wechseln sich weiterhin mit Drohungen neuer Angriffe ab. Ob die Region einer dauerhaften Lösung tatsächlich nähergekommen ist, bleibt daher offen.

Die Ölpreise entwickelten sich parallel zur geopolitischen Lage und näherten sich zeitweise wieder der Marke von 100 US-Dollar je Barrel. Trotz dieses Anstiegs blieben die Preise deutlich unter den Befürchtungen vieler Marktteilnehmer, die teilweise mit Werten von bis zu 200 US-Dollar gerechnet hatten. Dazu beigetragen haben unter anderem eine geringere chinesische Nachfrage, höhere Fördermengen in den USA und anderen Ländern sowie die Nutzung strategischer Ölreserven. Aktuell bewegt sich der Ölpreis bei rund 80 bis 85 US-Dollar je Barrel.

Ein weiterer Einflussfaktor sind die bevorstehenden Zwischenwahlen in den USA. Der Konflikt und die höheren Energiepreise belasten die Popularität von Präsident Trump und erhöhen den politischen Druck auf Washington, vor der Wahl eine Einigung zu erzielen. Gleichzeitig dürfte Iran versuchen, seine Ausgangsposition für mögliche Verhandlungen zu stärken.

Neue Phase des Ukraine-Kriegs

Der Krieg in der Ukraine hat sich während des Sommers teilweise verändert. Während sich die Frontlinien nur geringfügig verschoben haben und die russische Offensive weitgehend zum Stillstand gekommen ist, hat die Bedeutung von Drohnen- und Raketenangriffen deutlich zugenommen.

Kyjiw und andere Regionen wurden intensiv attackiert. Gleichzeitig hat die Ukraine ihre Drohnenangriffe auf russische Infrastruktur, Energieanlagen, Raffinerien und militärische Logistik verstärkt. Diese Angriffe haben die Kosten der russischen Kriegsführung erhöht und zu Versorgungsengpässen im Energiesektor beigetragen.

Die USA, die Europäische Union und das Vereinigte Königreich haben ihre militärische Unterstützung für die Ukraine im Sommer bekräftigt.

Extreme Wetterereignisse belasten Wirtschaft und Infrastruktur

Der Sommer wurde weltweit von Hitzewellen, Waldbränden, Überschwemmungen und anhaltender Trockenheit geprägt. Gleichzeitig verstärkt sich das Wetterphänomen El Niño im Pazifik.

In Westeuropa wurde der wärmste Juni seit Beginn der Aufzeichnungen gemessen. Die Trockenheit führte unter anderem zu historischen Niedrigwasserständen. Auf dem Rhein sank die Transportkapazität zeitweise auf lediglich 20 Prozent des Normalniveaus.

Auch Europa und Nordamerika, insbesondere Kanada, waren von schweren Waldbränden betroffen. Während die direkten wirtschaftlichen Auswirkungen meist regional begrenzt bleiben, könnten Dürreperioden die globalen Ernten im Herbst belasten. Besonders in Afrika, Asien und Südamerika könnte die Intensivierung von El Niño Auswirkungen auf Agrarproduktion und Preise für Kaffee und Getreide haben.

Zentralbanken bleiben im Fokus

Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand erneut die US-Notenbank Fed. Der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh ließ den Leitzins sowohl im Juni als auch im Juli unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Gleichzeitig betonte er die Priorität der Inflationsbekämpfung und schloss weitere Zinserhöhungen nicht aus.

Innerhalb der Fed bestehen jedoch unterschiedliche Einschätzungen über die wirtschaftlichen Auswirkungen der Investitionen in Künstliche Intelligenz. Während Warsh höhere Produktivitätseffekte und damit langfristig niedrigere Inflationsrisiken sieht, warnen andere Notenbankvertreter vor kurzfristig steigender Nachfrage und zusätzlichem Inflationsdruck.

Die schwedische Reichsbank (Riksbank) hielt ihren Leitzins bei 1,75 Prozent. Nach drei in Folge überraschend hohen Inflationswerten ist die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Herbst jedoch gestiegen.

Auch die Europäische Zentralbank beließ ihren Kurs weitgehend unverändert. Nach einer Zinserhöhung auf 2,25 Prozent im Juni blieb der Leitzins im Juli konstant. Die Bank of England und die Norges Bank hielten ihre Leitzinsen ebenfalls stabil.
Entscheidend für die weitere Zinsentwicklung bleiben die Energiepreise. Sie dürften maßgeblich darüber entscheiden, ob weitere Zinserhöhungen notwendig werden oder wieder Raum für Zinssenkungen entsteht.

Langfristige Zinsen steigen weiter

Die Renditen langfristiger Staatsanleihen erreichten im Sommer die höchsten Niveaus seit vielen Jahren. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen stieg auf rund 5,25 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2007.

Auch in Deutschland, Schweden, Großbritannien und Japan wurden Mehrjahreshochs erreicht. Hintergrund sind unter anderem dauerhaft höhere Inflations- und Zinserwartungen, steigende Staatsverschuldungen sowie ein zunehmender Kapitalbedarf für Investitionen in KI, Verteidigung und Energie.

Diese Entwicklung erschwert die staatliche Refinanzierung und führt dazu, dass viele Staaten ihre Neuverschuldung auf kürzere Laufzeiten verlagern.

Ruhiger Sommer an den Devisenmärkten

Im Vergleich zu anderen Märkten verliefen die Entwicklungen an den Devisenmärkten relativ ruhig. Die schwedische Krone verlor gegenüber dem US-Dollar rund ein Prozent und gegenüber dem Euro etwa 0,5 Prozent.

Für Aufmerksamkeit sorgte vor allem die japanische Zentralbank. Nachdem der Yen auf rund 164 Yen je US-Dollar gefallen war und damit den schwächsten Stand seit fast vier Jahrzehnten erreicht hatte, griffen die japanischen Behörden gemeinsam mit den USA am Devisenmarkt ein. Der Yen wertete daraufhin auf rund 157 Yen je US-Dollar auf.

Aktienmärkte bleiben robust

Trotz geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheiten entwickelten sich die Aktienmärkte insgesamt positiv. Der globale Aktienindex legte im Sommer um rund drei Prozent zu.

Das Thema Künstliche Intelligenz blieb weiterhin marktbestimmend, wenn auch mit veränderten Vorzeichen. Nach den starken Kursanstiegen der vergangenen Monate rückten Fragen zu Bewertungen, Wettbewerb und Rentabilität der Investitionen stärker in den Fokus.

Die sogenannten „Magnificent Seven“ entwickelten sich schwächer als der Gesamtmarkt. Besonders deutlich fiel die Korrektur an der technologieorientierten Börse in Südkorea aus. Der KOSPI-Index verlor seit Juni rund 30 Prozent, nachdem er zuvor kräftig gestiegen war.

Zu den Gewinnern des Sommers zählten dagegen die schwedischen und europäischen Aktienmärkte mit Kurszuwächsen von sechs beziehungsweise vier Prozent.

Handelskonflikte bleiben bestehen

Im Sommer setzte sich der Handelskonflikt zwischen den USA und anderen Wirtschaftsräumen fort. Auslaufende Zölle wurden durch neue Maßnahmen ersetzt, die unter anderem mit Vorwürfen von Zwangsarbeit begründet wurden. Darüber hinaus drohten den Handelspartnern weitere tarifäre Belastungen.

Insgesamt lässt sich die Entwicklung weder als deutliche Eskalation noch als Entspannung bewerten. Vielmehr wurden bestehende Maßnahmen durch neue Regelungen ersetzt. Die Unsicherheit für Unternehmen und die Belastung des Welthandels bleiben damit bestehen.

Ausblick

Der Sommer 2026 hat gezeigt, dass geopolitische Risiken, Energiepreise, Zinspolitik und technologische Entwicklungen die Weltwirtschaft weiterhin prägen. Viele der aktuellen Herausforderungen sind ungelöst und dürften auch die kommenden Monate bestimmen. Der Herbst verspricht daher ereignisreich zu werden.

Jens Magnusson, Chief Economist, und Malte Meuller, Economist

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