Zum Inhalt

Konflikt im Iran treibt Ölpreise nach oben und verstärkt Marktunsicherheit

Oil field

Die Ölpreise sind deutlich gestiegen, und die globalen Finanzmärkte zeigen erhöhte Schwankungen, da der anhaltende Konflikt im Iran weiterhin den Transport durch die Straße von Hormus beeinträchtigt.

Die Meerenge ist eine der wichtigsten Routen für den globalen Energiemarkt und transportiert normalerweise rund 20 Millionen Barrel Öl pro Tag. Nach Einschätzung der SEB Expertinnen und Experten hat der Iran zuletzt gezeigt, dass es die Schifffahrtsroute bereits mit einfachen Drohnen und Raketen blockieren kann. Eine schnelle Normalisierung erscheint daher derzeit wenig wahrscheinlich. Brent-Öl wurde in den vergangenen Tagen in einer Spanne zwischen 90 und 120 US‑Dollar gehandelt.

Inflationsrisiken steigen – Zinsausblick unter Druck

Der erneute Anstieg der Energiepreise steigert die Erwartungen an eine höhere Inflation. Laut SEB Ökonomen könnte die Europäische Zentralbank die Zinsen im Laufe des Jahres bis zu zweimal anheben, sofern das erhöhte Preisniveau bis in den Herbst hinein anhält.

„Die Auswirkungen der Energiepreise sind bereits sichtbar, und die Märkte beginnen, zusätzliche Straffungen einzupreisen“, sagt Namik Immelbäck, Chief Strategist bei der SEB. „Sollten die Ölpreise auf diesem Niveau bleiben, rechnen wir mit schwächeren Konjunkturindikatoren und einer vorsichtigeren Positionierung der Investoren.“

Aktienmärkte unter Druck

Auch die Aktienmärkte stehen unter Druck. Systematische Fonds haben begonnen, ihre Risikoexponierung zu reduzieren, und der S&P 500 hat sich seinem 200‑Tage‑Durchschnitt angenähert. Die SEB empfiehlt aktuell eine neutrale Aktienquote sowie eine leichte Übergewichtung defensiver Sektoren.

„Wir bewegen uns in eine Phase, in der sowohl systematische als auch langfristig orientierte Investoren ihr Risiko vorsichtiger steuern könnten“, sagt Thomas Thygesen, Head of Equity Strategy bei der SEB. „Ein schneller Weg zurück zu neuen Höchstständen erscheint unwahrscheinlicher, wenn die Ölpreise hoch bleiben und die Konjunkturdaten nachlassen.“

Geopolitische Risiken bleiben erhöht

Eine vollständige Normalisierung der Ölströme setzt mehrere Faktoren voraus: ein Ende der militärischen Aktivitäten, eine einheitliche Linie zwischen den USA und Israel sowie die vollständige Einstellung von Maßnahmen des Irans, die die Schifffahrt gefährden. Immelbäck sieht diese Voraussetzungen kurzfristig nicht erfüllt. Selbst bei einer Entspannung könne der Iran den Ölfluss weiterhin begrenzen und damit ein erhöhtes Preisniveau begünstigen.

Das Basisszenario der SEB geht für die kommenden Monate von Ölpreisen zwischen 90 und 110 US‑Dollar aus. Die Einkaufsmanagerindizes dürften schwächer ausfallen, während die Inflation in Europa tendenziell in Richtung drei bis vier Prozent steigt. Eine tiefergehende Rezession ist aus heutiger Sicht nicht das Hauptszenario, jedoch bleiben die Risiken längerer Störungen bestehen.

Nach oben