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Geopolitik und Ölpreise verändern den Marktausblick für den Sommer

Jussi Hiljanen
Jussi Hiljanen ist Chief Strategist für Fixed Income und Foreign Exchange bei SEB.

Steigende geopolitische Spannungen und volatile Ölpreise stellen die Erwartungen der Märkte für die kommenden Monate auf die Probe. Gleichzeitig könnten sie die bislang erwartete schrittweise Erholung der Weltwirtschaft bremsen. Zu diesem Schluss kommen die Strateginnen und Strategen der SEB in ihrem aktuellen Marktbericht.

Drei Faktoren dürften die Finanzmärkte in der zweiten Jahreshälfte besonders prägen: Ölpreise, Zinsentwicklung und Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI). Zwar sind die Ölpreise zuletzt von ihren Höchstständen zurückgekommen, bleiben jedoch volatil – insbesondere vor dem Hintergrund der Spannungen rund um den Iran und deren Auswirkungen auf die Schifffahrt durch die Straße von Hormus.

Ölpreise auf einem Niveau von rund 70 US-Dollar pro Barrel würden eine schrittweise wirtschaftliche Erholung unterstützen. Eine erneute Eskalation der Lage könnte allerdings zu steigenden Energiepreisen führen, die Inflation anheizen und den Handlungsspielraum der Zentralbanken weiter einschränken.

„Der Markt hat ein erhebliches Risiko einer restriktiven Geldpolitik der Fed bereits eingepreist”, sagt Jussi Hiljanen, Chief Strategist für Fixed Income und Foreign Exchange bei der SEB. „Doch dieses Risiko könnte sich wieder auflösen, sollte die Inflation nicht erneut anziehen.” In den Vereinigten Staaten wägt die Federal Reserve die anhaltende Inflation gegen Anzeichen einer nachlassenden Konjunkturdynamik ab. Die Märkte rechnen derzeit mit weiteren Zinserhöhungen in einem Umfang von insgesamt rund 1,5 Prozentpunkten. Ob es tatsächlich dazu kommt, hängt maßgeblich davon ab, ob Inflations- oder Arbeitsmarktdaten erneut stärker ausfallen als erwartet.

Auch die Anleihemärkte spiegeln diese Unsicherheit wider. Die Renditen langfristiger US-Staatsanleihen sind im Zuge steigender Ölpreise und zunehmender geopolitischer Risiken auf über 4,5 Prozent gestiegen. Kurzfristig wird jedoch erwartet, dass sie sich weiterhin innerhalb einer vergleichsweise engen Bandbreite bewegen.

Europa zeigt sich stabiler

In Europa zeigt sich die Situation stabiler, wenn auch verhalten. Eine weitere Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank ist weitgehend eingepreist. Gleichzeitig sprechen das schwache Wirtschaftswachstum und nachlassender Lohndruck gegen eine deutlich straffere Geldpolitik.

An den Devisenmärkten bleibt die Entwicklung stark von den USA abhängig. Die Kursentwicklung des Euro gegenüber dem US-Dollar wird vor allem davon bestimmt, ob die Erwartungen an weitere Zinsschritte in den USA steigen oder wieder nachlassen.

Die Strateginnen und Strategen der SEB sehen für die kommenden Monate zwei zentrale Szenarien:

Basisszenario

Geopolitische Spannungen nehmen ab, die Ölpreise gehen zurück und der Inflationsdruck lässt nach. Dadurch könnten die Märkte ihre Erwartungen an weitere US-Zinserhöhungen reduzieren. Der Euro würde davon voraussichtlich profitieren.

Risikoszenario

Neue Angebotsengpässe treiben den Ölpreis über 80 US-Dollar pro Barrel. Dies könnte den Inflationsdruck erhöhen, höhere US-Zinsen begünstigen und den US-Dollar stärken. Der Euro geriete entsprechend unter Druck.

Anlegerinnen und Anleger richten ihren Blick daher besonders auf die Entwicklung der Ölpreise, den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus sowie auf die kommenden Inflationsdaten. Diese Faktoren dürften in den kommenden Monaten entscheidend dafür sein, ob sich die Märkte stabilisieren oder erneut stärker schwanken.

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