Das am Freitag vorgestellte Paket umfasst einen niedrigeren linearen Reduktionsfaktor ab 2031, Anpassungen an der Marktstabilitätsreserve, verlängerte Regelungen zur kostenlosen Zuteilung von Zertifikaten sowie neue Mechanismen für CO₂-Entnahmen und internationale CO₂-Gutschriften. Insgesamt sollen die Maßnahmen den Druck auf die europäische Industrie verringern und gleichzeitig Investitionen in die Dekarbonisierung unterstützen.
Laut Gregor Vulturius, Lead Scientist und Senior Advisor Climate and Sustainable Finance bei der SEB, markiert der Vorschlag einen bedeutenden Richtungswechsel für den europäischen CO₂-Markt. „Das Hauptergebnis des Vorschlags ist eine gewisse Abschwächung des Ambitionsniveaus, das die Kommission für den Emissionshandel anstrebt“, sagt er.
Die Kommission schlägt vor, die jährliche Reduktionsrate der Emissionsobergrenze zwischen 2031 und 2035 auf 3,7 Prozent und ab 2036 auf 1,7 Prozent zu senken. Nach Schätzungen der SEB könnten dadurch im Vergleich zu den derzeitigen Regelungen rund 2,5 Milliarden zusätzliche Zertifikate im System verbleiben.
Gleichzeitig würden die Vorschläge die kostenlose Zuteilung von Zertifikaten stärker an Bedingungen knüpfen. Unternehmen müssten Dekarbonisierungspläne vorlegen, um den Großteil ihrer kostenlosen Zertifikate zu erhalten. Ein Teil der Zuteilung wäre zudem an den Nachweis von Investitionen innerhalb der Europäischen Union gebunden.
Auch die geplante Abschaffung der kostenlosen Zuteilungen im Rahmen des CO₂-Grenzausgleichssystems (Carbon Border Adjustment Mechanism, CBAM) soll von 2034 auf 2038 verschoben werden. Damit erhielten betroffene Branchen wie Stahl, Zement und Düngemittel mehr Zeit zur Anpassung.
Ein weiteres zentrales Element ist die Wiedereinführung internationaler CO₂-Gutschriften. Statt Unternehmen den direkten Erwerb solcher Zertifikate zu ermöglichen, schlägt die Kommission vor, dass die Europäische Union ab 2036 bis zu 260 Millionen Tonnen hochwertiger internationaler CO₂-Gutschriften beschafft. Zudem sollen bis zu 250 Millionen Tonnen dauerhafter CO₂-Entnahmen in Europa angekauft werden.
Trotz der langfristigen Auswirkungen blieb der CO₂-Markt nach der Ankündigung vergleichsweise ruhig. Die Preise für EU-Emissionszertifikate (EU Allowances) bewegten sich zwischen 76 und 80 Euro je Tonne, ohne größere Veränderungen bei den kurzfristigen Erwartungen von Angebot und Nachfrage.
„Für den Markt für EU-Emissionszertifikate blieb dies ein vergleichsweise ruhiger Tag, obwohl die Vorschläge gegenüber dem Status quo tendenziell belastend wirken“, sagt Robert van Wijk aus der FICC-Sales-Einheit der SEB in London.
Der Vorschlag wird nun von den Mitgliedstaaten und dem Europäischen Parlament verhandelt. Die SEB erwartet, dass insbesondere die vorgeschlagenen Bedingungen für die kostenlose Zuteilung von Zertifikaten weiter diskutiert werden. Die endgültige Gesetzgebung dürfte die Entwicklung des europäischen CO₂-Markts bis weit in die 2030er-Jahre hinein prägen.