Die SEB ordnet die Verbesserung des Ifo‑Geschäftsklimaindex im September ein und erklärt, warum die deutsche Wirtschaft trotz geopolitischer Unsicherheiten und höherer Energiepreise weiterhin Widerstandskraft zeigt. Gleichzeitig sehen die Analysten kurzfristige Aufwärtsrisiken für die Wachstumsprognose, verweisen jedoch auf strukturelle Herausforderungen für das langfristige Wachstum.
Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im September den fünften Monat in Folge, getragen sowohl von der aktuellen Lagebeurteilung als auch von den Erwartungen. Die Indexstände liegen jedoch weiterhin unter ihrem historischen Durchschnitt. Die Verbesserung zeigte sich breit über die verschiedenen Sektoren hinweg. Die Wirtschaft erweist sich gegenüber dem Konflikt im Nahen Osten weiterhin als widerstandsfähig. Ein stärkeres erstes Halbjahr als erwartet sowie bessere Werte beim Ifo- und Einkaufsmanagerindex deuten auf eine positive Anpassung der Wachstumsprognose der SEB in diesem Jahr hin. Niedrige Erdgasvorräte könnten jedoch das Wachstum im kommenden Winter belasten. Mittelfristig stellen eine ungünstige demografische Entwicklung, schwaches Produktivitätswachstum und ein schwieriges politisches Umfeld Herausforderungen dar.
Überraschende Widerstandsfähigkeit
Trotz höherer Energiepreise und der Dürre in diesem Sommer zeigt sich die deutsche Wirtschaft weiterhin widerstandsfähig. Der Ifo-Geschäftsklimaindex war zu Beginn dieses Jahres gefallen, als die Sorge über die Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten zunahm. Seit dem Frühsommer hat sich der Trend jedoch umgekehrt, und der Index ist nun fünf Monate in Folge gestiegen. Die Stimmung liegt dennoch weiterhin unter ihrem historischen Durchschnitt. Der Anstieg im September wurde sowohl durch Verbesserungen der aktuellen Lage als auch der Erwartungen getragen.
Das Geschäftsklima verbesserte sich über alle Branchen hinweg, mit Ausnahme des Baugewerbes, wo es weitgehend unverändert blieb. Innerhalb des verarbeitenden Gewerbes zeigen sich Unterschiede: So verbesserten sich die Erwartungen der Hersteller von Elektronikbauteilen, während die Automobilhersteller weiterhin mit schwierigen Bedingungen konfrontiert sind. Im Dienstleistungssektor überwiegen inzwischen die positiven gegenüber den negativen Rückmeldungen.
Kurzfristige Aufwärtsrisiken
Im aktuellen Nordic Outlook Report haben die Analysten der SEB ihre Prognose für das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr um einige Zehntelprozentpunkte auf knapp unter 1 Prozent angehoben. Die stärkeren Werte beim Einkaufsmanagerindex und der besser als erwartete Ifo-Wert deuten ebenfalls auf Aufwärtsrisiken für diese Prognose hin. Die SEB Analysten hatten erwartet, dass sich das Wachstum im dritten Quartal, dessen Zahlen am 30. Oktober 2026 veröffentlicht werden, aufgrund der niedrigen Wasserstände im Rhein etwas abschwächen würde. Die Wirtschaft scheint jedoch widerstandsfähiger gegenüber den niedrigen Wasserständen gewesen zu sein, als sie angenommen hatten. Ein Großteil der positiven Wachstumsüberraschung in diesem Jahr wurde durch einen starken Anstieg der Exporte getragen. Dieser könnte allerdings nur vorübergehend gewesen sein, da Unternehmen ihre Lagerbestände aus Sorge vor weiteren Störungen der Lieferketten aufgestockt haben. Für eine abschließende Beurteilung ist es jedoch noch zu früh.
Die SEB erwartet, dass die niedrigen Erdgasvorräte und die daraus resultierenden höheren Gaspreise das Wachstum in diesem Winter vorübergehend belasten werden. Mittelfristig dürften Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung sowie eine stärkere globale Nachfrage das Wachstum unterstützen. Die zentrale Frage lautet, ob Deutschland sein Wachstum langfristig über das derzeitige Potenzial von weniger als 0,5 Prozent hinaus steigern kann. Schwaches Produktivitätswachstum und eine alternde Bevölkerung stellen Herausforderungen für das langfristige Wachstum dar und machen die Reformagenda von Bundeskanzler Merz besonders wichtig. Die jüngsten politischen Turbulenzen, darunter Rückschläge für die CDU bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin, könnten notwendige Reformen des Renten-, Gesundheits- und Steuersystems verzögern.
Weitere Informationen sowie Grafiken finden Sie auf den Research-Seiten der SEB: SEB Research
Pia Fromlet, Economist Euro area
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