Der Ifo‑Geschäftsklimaindex ist im April erneut gesunken und liegt weiterhin deutlich unter seinem langfristigen Durchschnitt. Nach Einschätzung der SEB spiegelt der Rückgang vor allem wachsende Sorgen der Unternehmen über den Konflikt im Nahen Osten und dessen Folgen für Inflation und Wirtschaftswachstum wider. Insgesamt hat sich der Ausblick für die deutsche Wirtschaft damit spürbar eingetrübt. Zu Jahresbeginn 2026 hatten die SEB Analysten noch die Hoffnung gesehen, dass eine expansivere Fiskalpolitik und Reformen einen Wachstumsschub auslösen könnten. Sie sagen, dass diese Erholung nun klar auf der Kippe steht.
Mit 84,4 Punkten liegt der Ifo‑Geschäftsklimaindex auf dem niedrigsten Stand seit Mai 2020. Ein Blick auf die Teilindizes zeigt: Die Unternehmen blicken nicht nur pessimistischer in die Zukunft, sondern bewerten zunehmend auch die aktuelle Lage kritischer. In allen großen Wirtschaftsbereichen verschlechterte sich das Geschäftsklima, die Nettosalden aller Hauptindustrien lagen sämtlich im negativen Bereich. Die Entwicklung in Industrie- und Dienstleistungssektoren entspricht dabei den zuletzt veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes (PMI).
Breite Verschlechterung über alle Branchen hinweg
„Die deutsche Wirtschaft wird durch die Iran‑Krise hart getroffen“, erklärte das Ifo‑Institut. Besonders deutlich verschlechterten sich die Erwartungen im verarbeitenden Gewerbe. Zudem berichteten Industrieunternehmen von zunehmenden Lieferengpässen.
Auch im Dienstleistungssektor trübte sich das Geschäftsklima erheblich ein – vor allem aufgrund deutlich schwächerer Erwartungen, aber auch die Beurteilung der aktuellen Lage fiel negativer aus. Im Handel verzeichnete der Geschäftsklimaindex einen spürbaren Rückgang. „Einzelhändler befürchten insbesondere, dass sich Verbraucher angesichts steigender Inflation mit Ausgaben zurückhalten“, so das Ifo‑Institut.
Im Baugewerbe schließlich wurde der deutliche Einbruch des Geschäftsklimas sowohl durch pessimistischere Erwartungen als auch durch eine weniger positive Einschätzung der laufenden Geschäfte verursacht.
Erhöhte Abwärtsrisiken für das Wachstum
Der Krieg im Iran hat nach Einschätzung der SEB das Risiko einer Stagflation erhöht – also einer Kombination aus schwachem Wachstum und hoher Inflation. Kurzfristig dürften vor allem steigende Preise für die Wirtschaftspolitik im Fokus stehen. Mittel- bis langfristig könnten jedoch zunehmend auch Wachstumsrisiken in den Vordergrund rücken.
Der deutliche Rückgang der Konsumentenstimmung – deren Mai‑Daten am 27. April veröffentlicht werden – sowie die Verschlechterung des Geschäftsklimas im Handel sind klare Hinweise darauf, dass die Folgen steigender Preise zunehmend auch bei den Verbrauchern ankommen. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnten stärkere dämpfende Effekte auf das Wirtschaftswachstum nicht ausgeschlossen werden.
Auf der anderen Seite könnten steuerliche Entlastungen, der Abbau bürokratischer Hürden sowie höhere Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung das Wachstum in den kommenden Jahren stützen. Kurzfristig überwiegen aus Sicht der SEB jedoch die Risiken für die wirtschaftliche Erholung in Deutschland.
Mehr zur Einschätzung sowie Grafiken finden Sie auf den Research-Seiten der SEB: SEB Research
Pia Fromlet, Economist Euro area
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