25.08.2020 10:25

Nordic Outlook: Wirksame Krisenreaktionen mit langfristigen Risiken

Im aktuellen Nordic Outlook analysieren die SEB Experten die Reaktionen von Staaten und Wirtschaft auf die COVID-19-Pandemie und bewerten die daraus resultierenden Risiken.

Trotz der gestiegenen Verbreitung von COVID-19 ist die wirtschaftliche Erholung in den Industrieländern schneller als erwartet verlaufen. Die SEB Ökonomen revidieren ihre BIP-Prognose für die 37 wohlhabendsten OECD-Länder nach oben: sie rechnen nun nur noch mit einem Rückgang von 6,6 Prozent in diesem Jahr, verglichen mit einem erwarteten Rückgang von 7 Prozent in der Mai-Ausgabe des Nordic Outlooks. Allerdings senken die SEB Experten ihre Prognose für die gesamte Weltwirtschaft nach unten, weil die Schwellenländer (Emerging Markets) durch die Pandemie unerwartet große wirtschaftliche Schäden erlitten haben.

Die Arbeitsmärkte in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften haben sich besser als erwartet entwickelt, wodurch der Anstieg ihrer öffentlichen Schuldenlast begrenzt wurde; währenddessen halten die niedrigen Lohnerhöhungen die Inflation zurück. Eine Kombination aus fiskal- und geldpolitischen Programmen kann daher die Erholung weiterhin unterstützen. Trotz des starken Wachstums in den Jahren 2021 und 2022 wird die Ressourcennutzung unter der Norm bleiben. Langfristig stellt die expansive Wirtschaftspolitik eine Herausforderung dar, die u.a. zu größerer Ungleichheit und geringerem Veränderungsdruck in der Wirtschaft führt.

Positive und gemischte Überraschungen trotz Rückschlägen bei COVID-19

Nach einem dramatischen Frühling ist das wirtschaftliche Bild etwas klarer und die Prognosen etwas sicherer geworden. Die Ausbreitung des Virus hat sich in eine negativere Richtung entwickelt als in der Mai-Prognose angenommen. Trotzdem hat sich die wirtschaftliche Erholung etwas schneller vollzogen als zuvor prognostiziert, insbesondere was den Verbrauch und die Produktion betrifft. Mittlerweile sind die Unterschiede zwischen den Ländern und Regionen unerwartet groß. Insbesondere die nordischen und baltischen Länder haben die Analysten im zweiten Quartal 2020 positiv überrascht. Hingegen hat die Verbreitung von COVID-19 in vielen Schwellenländern mehr wirtschaftlichen Schaden angerichtet als erwartet. Dieses gemischte Bild der Auswirkungen der Pandemie spiegelt sich in der neuen Prognose des Nordic Outlooks wider. In den nordischen und baltischen Ländern sind die Korrekturen der SEB Experten nach oben deutlich: im Bereich von 5 bis 6 Prozentpunkten. In der Zwischenzeit haben sie ihre globale BIP-Prognose um einen Prozentpunkt auf einen Rückgang von 4,3 Prozent nach unten revidiert, der auf die Schwellenländer zurückzuführen ist.

Wie die anderen nordischen Länder und das Baltikum hat die schwedische Wirtschaft die Pandemie besser bewältigt als die anderen Teile Europas. Aufgrund milderer Beschränkungen im Zusammenhang mit der Pandemie wird das BIP Schwedens in diesem Jahr nur um 3,8 Prozent sinken, was weniger als die Hälfte des erwarteten Rückgangs im Euroraum und im Vereinigten Königreich ausmacht; die SEB Experten haben ihre Prognose für Schweden von -6,5 Prozent im Mai nach oben korrigiert. Das BIP wird dann im Jahr 2021 um etwas mehr als 4 Prozent und im Jahr 2022 um 3 Prozent steigen.

Raum für weitere wirtschaftliche Stimulierung und langfristige Herausforderungen

Wie im Mai enthält die Prognose zwei alternative Szenarien. Eine schnellere Ausbreitung des Virus während des Winters könnte zu größeren BIP-Rückgängen führen, während Impfungen und eine stärkere Wirkung der Konjunkturmaßnahmen die Erholung beschleunigen könnten. Unser Hauptszenario ist eine allmähliche Erholung mit einem BIP-Wachstum, das deutlich über der Norm liegt: in den OECD-Ländern 4,8 Prozent im Jahr 2021 und 2,8 Prozent im Jahr 2022. Trotzdem wird sich die Lücke im Vergleich zu früheren Trends nicht schließen. Ende 2022 wird die Arbeitslosigkeit in den meisten Ländern deutlich über dem Vorkrisenniveau bleiben. Dennoch ist die Arbeitslosenquote in den Vereinigten Staaten schneller als erwartet gesunken und in Europa nur mäßig gestiegen, was ein Grund dafür ist, dass die Belastung der öffentlichen Haushalte geringer ausfällt als erwartet. Infolgedessen wird die Schuldenquote des öffentlichen Sektors weniger stark ansteigen als bisher befürchtet. Dies schafft künftigen Handlungsspielraum für mehr Programme zur Wachstumsförderung und Erleichterung der Umstrukturierung. Währenddessen bremsen niedrige Lohnerhöhungen die Inflation. Dies wird die Zentralbanken in die Lage versetzen, zur Stützung der Volkswirtschaften beizutragen und fiskalische Stimulierungsmaßnahmen zu erleichtern. Dies soll über einen langen Zeitraum hinweg möglich sein, mit rekordtiefen Leitzinsen und, falls erforderlich, erweiterten Käufen von Vermögenswerten. Langfristig jedoch schafft die expansive Wirtschaftspolitik Herausforderungen in Form von ungesunder Risikobereitschaft, geringem Veränderungsdruck in der Wirtschaft, "Zombie"-Unternehmen und größeren Wohlstandsunterschieden.

Auf den Finanzmärkten werden das rasche Wachstum sowie die niedrigen Zinssätze und Anleiherenditen zu weiterhin günstigen Bedingungen für Aktienkurse und zu Risikobereitschaft führen sowie historisch hohe Vermögensbewertungen hervorbringen. Der US-Dollar wird weiter schwächer werden, da sich die Zinssätze und Anleiherenditen in verschiedenen Ländern auf niedrigem Niveau annähern und die schwedische Krone wieder an Boden gewinnt. 

Die September-Ausgabe des Nordic Outlooks enthält einen speziellen Themenartikel über die Krone ("Nachhaltige Gewinne für eine unterbewertete Währung"). Weitere Themenartikel befassen sich mit:

  • Der Globalisierung
  • Den Wahlen in den USA
  • Den Auswirkungen von Rezessionen auf die Arbeitsmärkte

Hier finden Sie die Themenübersicht auf Englisch.

Finden Sie hier  den gesamten Nordic Outlook Report (englisch).