06.02.2018 14:36

Investment-Boom treibt Weltwirtschaft voran

Der Ausblick bleibt optimistisch: Im aktuellen Nordic Outlook gehen die SEB Ökonomen von einem jährlichen globalen Wirtschaftswachstum von vier Prozent aus - für 2018 und 2019. Gestützt werde dies durch starke Arbeitsmärkte und steigende Investitionsausgaben. Die politischen Unsicherheiten bleiben weltweit bestehen, jedoch zeigten die Erfahrungen, das sie kaum Einfluss auf wirtschaftliche Aktivitäten haben, so die Experten.

In der Mai-Ausgabe des Nordic Outlooks betrachten die SEB Ökonomen wie gewohnt die Entwicklung der Weltwirtschaft sowie der wichtigsten Wirtschaftsmärkte wie der USA, der Eurozone oder China.

Die Weltwirtschaft verlor Anfang des Jahres an Schwung. Jedoch gehen die SEB Experten von einer nur vorübergehenden Verlangsamung aus und korrigieren ihre Wachstumsprognose im Nordic Outlook von Februar deshalb nur geringfügig.

Die politischen Unsicherheiten sind größer als in den vergangenen Jahrzehnten. Der US-Chinesische Handelskonflikt sowie die Spannungen im Nahen Osten nach der Entscheidung der USA, sich aus dem iranischen Nuklearabkommen zurückzuziehen, stellen die größten Risiken dar.

Das Hauptszenario der SEB ist es, dass ein Handelskrieg in vollem Umfang vermieden werden kann. Im Falle des Irans könne eine Eskalation vermutlich ebenfalls vermieden werden. Bestehen bleiben jedoch Sorgen über Störungen in der iranischen Erdölproduktion und führen zu gestiegenen Ölpreisen (USD 85/Barrel für Brent-Rohöl in 2019).

Europa steht ebenfalls vor Prozessen mit disruptiven Potenzial, wie zum Beispiel dem Brexit, während Russland und vor allem China, neue Rollen in der internationalen Gemeinschaft suchen. Erfahrungsgemäß haben politische Ereignisse jedoch nur selten einen großen Einfluss auf die Wirtschaftstätigkeit.

Stattdessen richtet sich der Fokus der Finanzmärkte auf den Konjunkturzyklus und Fragen zur Dauerhaftigkeit des Aufschwungs. Temporäre Faktoren wie verspätete US-Steuerrückzahlungen und Unstimmigkeiten in Europa bremsten das Wachstum im ersten Quartal. Die von den SEB Ökonomen zugrunde gelegte Stärke der wichtigsten Wirtschaftsmärkte deutet jedoch auf ein anhaltendes Wachstum oberhalb der Trendentwicklung im Prognosezeitraum hin.

Die Arbeitsmärkte haben sich weiter verbessert, während die Vermögenswerte gestiegen sind und den privaten Konsum unterstützen. Das Investitionswachstum ist breit abgestützt, wobei das Argument zweischneidig zu betrachten ist. Erweiterte Produktionskapazitäten erhöhen das Potenzial für ein länger anhaltendes Wachstum, aber gleichzeitig kennzeichnete ein Investitions-Boom oftmals die letzte Phase einer wirtschaftlichen Expansion. Da aber der Anteil der Investitionen am BIP deutlich unter den früheren Spitzenwerten liegt, besteht weniger Risiko für größere Umkehrungen. Das BIP-Wachstum seit dem Ende der Finanzkrise fällt bislang geringer aus als in früheren Erholungsphasen, was zudem darauf hindeutet, dass das Wachstum anhalten kann. Obwohl die globale Verschuldung hoch ist, ist es nicht einfach, offensichtliche Exzesse zu identifizieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass angebotsseitige Beschränkungen den wirtschaftlichen Aufschwung stoppen, wird mit der Zeit zunehmen und die Arbeitslosigkeit sinkt. Lohn- und Preissignale deuten jedoch darauf hin, dass die meisten Zentralbanken in den kommenden Jahren weiterhin mit einer beunruhigend niedrigen Inflation kämpfen müssen, wobei die Aufwärtsrisiken hauptsächlich mit Energie und anderen Rohstoffen in Verbindung stehen.

Ungewöhnlich große zyklische Unterschiede zwischen den Ländern spiegeln sich in ihrer Geldpolitik wider. Die SEB Ökonomen gehen jetzt davon aus, dass die US-Notenbank (Fed) ihren Leitzins in diesem Jahr noch dreimal und 2019 zweimal auf 3 Prozent erhöhen wird. Dies ist etwas mehr als in der Februar-Prognose. Erst Ende dieses Jahres wird die Europäische Zentralbank (EZB) ihre stimulierenden Anleihekäufe einstellen. Die SEB erwartet nun, dass der EZB-Einlagesatz für Banken erstmals im Juni 2019 ansteigt, gefolgt von einer Refinanzierung auf 0,25 Prozent im September. Die britische Zentralbank verschiebt ihre nächste Zinserhöhung bis 2019. Die Bank of Japan hält an ihrer extrem lockeren Geldpolitik fest. Aufgrund der nach wie vor expansiven Geldpolitik werden die Notenbanken in den meisten Ländern mit extrem wenig Zinsmunition auf den nächsten Konjunkturabschwung treffen. Dies ist ein weiteres Argument, um die Nachteile einer extrem lockeren Geldpolitik sowie die Risiken der hohen Verschuldung stärker hervorzuheben.

Den gesamten Nordic Outlook finden Sie hier.