Ändert Trumps Wirtschaftspolitik den Ausblick für die Weltwirtschaft?

Das Brexit-Votum in Großbritannien und der Sieg von Donald
Trump bei den Präsidentschaftswahlen in den USA haben die politische
Landschaft des Westens dramatisch beeinflusst. Gleichwohl halten die Volkswirte der SEB in der jüngsten Ausgabe des Nordic Outlooks an der Einschätzung eines langsamen Anziehens der Weltkonjunktur 2017 fest.

Laut ihrer Einschätzung haben die großen Schwellenländer den Höhepunkt der Krise im Frühjahr überschritten und erholen sich nun wieder. Russland und Brasilien lassen die Rezession hinter sich und in beiden Ländern wird die Wirtschaft 2017 wieder wachsen. In China halfen expansive wirtschaftspolitische Maßnahmen, die Lage zu stabilisieren. Das Wachstum wird sich 2017 jedoch erneut leicht abschwächen. In Indien dürfte sich das Wachstum mittelfristig etwas beschleunigen.

Insgesamt erwarten die Experten eine Zunahme der Weltwirtschaftsleistung um 3,1 % in diesem Jahr, die sich 2017 auf 3,5 % und 2018 auf 3,6 % steigert. 

Weitere Annahmen der Volkswirte:

Das weltweite Niedriginflationsumfeld wird 2017/2018 auf die Probe gestellt, da der Grad der Ressourcenauslastung dann einen relativ hohen Stand erreicht. Derweil weisen die Entscheidung Großbritanniens, die EU zu verlassen (Brexit), und die Wahl von Donald Trump zum neuen Präsidenten der USA auf einen Trend in Richtung wirtschaftliche Abschottung hin.

Dies könnte die vorherrschenden disinflationären Kräfte schwächen; stattdessen würden nationale wirtschaftliche Bedingungen größeren Einfluss auf die Inflationsentwicklung gewinnen. In den USA ist schon jetzt ein deutlicher Anstieg der Inflationserwartungen erkennbar.

Die Stimmung zur Geldpolitik ändert sich. Immer mehr Experten sind der Ansicht, dass ihre Möglichkeiten ausgeschöpft sind, denn ihre Wirkung auf Wachstum und Inflation flacht ab und könnte sogar völlig verblassen.

In Bezug auf die Fed erwarten die Volkswirte, dass diese ihren Leitzins im Dezember um 0,25 Prozentpunkte auf 0,50 - 0,75 % anhebt. 2017/2018 wird sie in Sechs-Monats-Intervallen weitere Zinserhöhungen vornehmen. Ende 2018 dürfte die Federal Funds Rate somit bei 1,50 - 1,75 % liegen.

Die EZB dürfte gegen Ende des Jahres die Verlängerung ihres QE-Programms
um sechs Monate bis März 2017 ankündigen, sich aber vorbehalten, ihre Anleihekäufe 2017/2018 schrittweise zu verringern.