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„Zu Beginn meiner Karriere war es teilweise überhaupt nicht vorstellbar, dass ein Mann in Elternzeit geht."

Michelle, du bist jetzt schon seit 2008 bei der SEB, und das nicht nur hier in Frankfurt, wie hat sich deine Karriere in der Finanzbranche entwickelt? 

Ich komme ursprünglich aus der Karibik und mein erstes Studium war ein Doppeldiplom in Physik und Chemie – da hatte ich gar nicht die Vorstellung, einmal in der Finanzbranche zu arbeiten. Ich habe mich aber immer schon für Märkte interessiert, also, warum gehen Aktienkurse hoch, warum gehen sie runter. Als ich nach Frankfurt kam und merkte, wie wichtig hier dem Arbeitgeber ein deutscher Abschluss ist, da war es für mich naheliegend, Financial Engineering an der Goethe-Universität zu studieren. Das war mit meinem Physik-Studium im Rücken inhaltlich nicht schwer. Während des Studiums habe ich angefangen, im Private Banking zu arbeiten. Ich bin dann zu Dresdner Kleinwort Wasserstein, heute Commerzbank, in den Aktienhandelsbereich gegangen. Da hatte ich ganz unterschiedliche Aufgaben, von der Bepreisung von Portfolios bis hin zur Entwicklung neuer Produkte. Danach bin ich zur SEB gewechselt, und zwar zuerst ins Riskmanagement nach Schweden und dann zu Markets nach Deutschland.

Wie sieht denn dein Tätigkeitsfeld bei der SEB in Frankfurt aus? 

Ich arbeite im Bereich Markets, in unserem Handelsbereich, und zwar als Business Manager. Das heißt, ich handle nicht wie meine Kollegen, sondern ich lege die Rahmenbedingungen und Prozesse fest, damit die SEB neue Produkte handeln kann oder mit neuen Kunden ins Geschäft kommt. Mit dem Kunden komme ich in Kontakt, wenn er etwas Besonderes haben möchte, was die SEB bisher nicht oder nicht in dieser Form angeboten hat. Dann muss ich sicherstellen, dass unsere Prozesse das abdecken können und dass wir am Ende des Tages ein gutes Produkt für unsere Kunden liefern. Für mich ist die Tätigkeit an der Schnittstelle so spannend, weil ich alles lerne: wie funktionieren unsere Bilanz und unsere Kundenbereiche, welche Produkte können bei uns eingekauft werden und was können die Kunden damit genau anstellen. Von daher ist das ein super großes Feld und das macht Spaß.

Man merkt sofort deine Leidenschaft für deine Arbeit! Aber du hast ja von Anfang an nicht den stereotypen Karriereweg eingeschlagen? 

Absolut, als ich angefangen habe zu studieren, waren wir im Jahrgang vier Frauen von 63 Studierenden. In Frankfurt war das Verhältnis ein wenig anders: 5 von 34. Die meisten Frauen gehen nicht ins Financial Engineering, sondern ins Marketing oder Accounting. Das merken wir auch jetzt, wenn wir neue Mitarbeiter und MItarbeiterinnen suchen. Es gibt nur wenige Frauen in unseren Bereichen und die wenigen, die es gibt, wollen dann oft nicht wechseln. Das hat ganz viel mit Stereotypen zu tun; schon in der Erziehung ist es wichtig, dass man von seinen Eltern keine Grenzen gesetzt bekommt, sondern ermutigt wird, seiner Leidenschaft zu folgen und nicht in typische Frauenberufe gelenkt wird. Und das muss ich auch sagen, die Frauen, mit denen ich zusammengearbeitet habe, die waren nicht ein bestimmter Typus, sondern alle ganz unterschiedlich. Gerade in Markets muss man eine starke Persönlichkeit sein, da spielt das Geschlecht keine Rolle.

Du bist jetzt schon zehn Jahre bei der SEB, das ist nicht selbstverständlich. Wieso arbeitest du gerne hier?

Es gibt viele Sachen, die mir an der SEB gut gefallen. Natürlich die Internationalität. Auch weil ich in Stockholm angefangen habe, konnte ich ein tolles Netzwerk aufbauen. Ich denke, in einem schwedischen Unternehmen zu arbeiten, heißt, „jede Meinung zählt". Die Schweden sind einfach so drauf, sie sammeln alle Meinungen und mit allen Informationen, die sie haben, versuchen sie, eine richtige Entscheidung zu treffen. Die flachen Strukturen, die wir haben und dass jeder teilnehmen kann, finde ich toll. Einer der Gründe, warum ich so lange geblieben bin, ist zudem, dass ich so viel lernen konnte. Bei meinen vorherigen Arbeitgebern war ich hochspezialisiert. Die SEB dagegen gibt mir die Möglichkeit, immer wieder Neues kennenzulernen. Wenn ich mich für einen besonderen Bereich, zum Beispiel unsere Kreditanalyse interessiere, kann ich das sehr gut mit meiner normalen Aufgabe verbinden und sehen, wo ich Synthesen zum Handel bilden kann. Die SEB ist da sehr offen, sodass man unterschiedliche Bereiche sehen kann. Ich habe in der Finanzbranche angefangen und will bis zu meiner Rente in der Finanzbranche arbeiten, weil es hier nicht langweilig wird.

Wie findest du das Finance is Female Programm und wo siehst du die SEB in Sachen Diversity? 

Das finde ich richtig gut, denn wir müssen aufpassen, dass wir den Generationenwechsel nicht verschlafen. Daher sollten wir auf jeden Fall versuchen, talentierte Absolventinnen ins Unternehmen zu holen. Und wir sollten ihnen alle Möglichkeiten geben, dass sie daraus machen, was sie daraus machen wollen. Und da ist die SEB definitiv auf einem guten Weg, zum Beispiel eben mit dem Programm. Viele interessiert ja immer das Thema Elternzeit und Arbeiten mit Kind. Auch da ist die SEB sehr flexibel und versucht, vieles möglich zu machen. Zum Beispiel ist meine Mitarbeiterin gerade aus dem Mutterschutz zurückgekommen. Sie war davor im Sales tätig, dort ist es nicht immer leicht als berufstätige Mutter. Aber in meiner Abteilung kann ich ihr die Flexibilität anbieten, um alles unter einen Hut zu bringen.

Was würdest du denn jemandem am Anfang seiner Karriere als Rat mit auf den Weg geben? 

Unbedingt die Zeit am Anfang nutzen, denn das ist die Zeit, in der ich am meisten lernen kann – am Anfang weiß man gar nichts. Da sollte man alle „blöden" Fragen stellen, die einem so einfallen. Denn wenn ich nach fünf Jahren diese Fragen stelle, würde mich jeder anschauen –„Was?". Am Anfang kann man am meisten nachfragen und lernen und alles, was man nicht versteht, noch einmal erfragen, um ein grundsätzliches Bild darüber zu haben, was diese Bank oder Institution genau macht und wie sie funktioniert. Nur so erfährt man auch für sich persönlich, ob man an der richtigen Stelle ist oder nicht. Was ich auch noch sagen würde ist, dass man, egal ob Mann oder Frau, sich richtig reinhängen muss und einen guten Job machen muss – und sich dann auch die Anerkennung für diese Leistung abholen.

Und eine letzte Frage zum Schluss, wie sieht deine Zukunft bei der SEB aus? 

Der nächste Schritt steht schon an: ab Jahresanfang kümmere ich mich als Head of Risk & Capital Management um Fragen der Profitabilität, der Eigenkapitalnutzung und des Risikoprofils unseres Geschäfts in Deutschland.