China Financial Index erneut gestiegen

Unternehmen, die in China Geschäfte tätigen, blicken weiterhin positiv in die Zukunft. Zwei Drittel erwarten einen Anstieg der Gewinne. Dennoch zögern sie größere Expansionspläne hinaus. 

  • Gute Dynamik, jedoch erwarten 14 Prozent der befragten Unternehmen eine Abschwächung des Auftragseingangs in den kommenden sechs Monaten
  • Mehrheit plant, die Mitarbeiteranzahl zu erhöhen
  • Bedenken haben Unternehmen hinsichtlich Kundennachfrage und Wettbewerb

Der China Financial Index kletterte im zweiten Halbjahr auf 61,9 Punkte (von 61,6 Punkten im März 2017 und 58,6 Punkten im Vorjahreszeitraum). Die SEB befragt halbjährlich deutsche und nordische Unternehmen, die in China Geschäfte machen, zur Lage und zu ihren Erwartungen.  Ziel ist es,  ein besseres Verständnis der ökonomischen und finanziellen Lage im Land zu erhalten.

Die befragten Unternehmen halten an ihrer positiven Einschätzung des Geschäfts in China fest, wobei zwei Drittel eine Gewinnsteigerung erwarten. Das Ergebnis stimmt mit den Daten überein, die vom chinesischen National Bureau of Statistics (NBS) veröffentlicht wurden. Demnach stiegen die Gewinne der chinesischen Industrieunternehmen im August um 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während im September ein Wachstum von 7,7 Prozent zu verzeichnen war (im Vergleich zum Vorjahr). Trotz der positiven Ergebnisse ist die Entwickung des Index seit der letzten Umfrage vor sechs Monaten flach. SEB Experten erwarten, dass die gute Lage anhält, aber das Wachstum  zurück geht.

Die Mehrheit der Unternehmen erwartet, ihre Auftragseingänge zu erhöhen, jedoch schwächt sich die Dynamik ab. Dies hat mit dem anhaltenden Trend in China zu tun, dass das Wachstum zum Teil durch den Anstieg der Erzeugerpreise und nicht ausschließlich durch die Mengen verursacht wird. In diesem Jahr erreichten die Erzeugerpreise für den Industriesektor ihren Höhepunkt. Der von NBS veröffentlichte Produzentenpreisindex (PPI) stieg im September gegenüber September 2016 um 6,9 Prozent und um durchschnittlich 6,5 Prozentist im Vergleich zum Vorjahr. "Die Ergebnisse unserer China-Financial-Index-Umfrage zeigen, dass der Druck bei steigenden Materialkosten für Unternehmen im Vergleich zur letzten Umfrage im März weniger wichtig ist. Dies impliziert, dass Unternehmen in der Lage waren, Kosten an die Kunden weiterzugeben", sagt Niina Äikäs, Geschäftsführerin der SEB Shanghai.

Die Umfrage deutet darauf hin, dass eine Reihe von Themen in China weiterhin herausfordernd sind. Die Marktsituation sorgt bei Unternehmen für die größte Besorgnis. Sechs von zehn Firmen antworteten, dass die Kundennachfrage oder der Wettbewerb ihre größte Sorge ist. Der Zahlungseingang von Kunden ist hingegen für die Unternehmen im Vergleich zur vorherigen Umfrage im Februar  weniger besorgniserregend. Das sind gute Nachrichten, da öffentlich zugängliche Daten anzeigen, dass die Zahl der faulen Kredite in China noch steigen wird.

Auch wenn die befragten Unternehmen angaben, in China gute Geschäfte zu machen, scheinen sie auf lange Sicht eher vorsichtig und konservativ zu sein. Nur einige Firmen investieren erheblich in das Land. Da die Wachstumsrate in diesem Jahr voraussichtlich um 6,7 Prozent steigen wird, prognostiziert die SEB ein BIP-Wachstum von über 6 Prozent in den kommenden zwei Jahren. "Die historischen Daten zeigen, dass der Übergang von einem Investitions- zu einem Erhaltungsmodus Anfang 2015 begann. Es gibt viele Gründe, warum dies der Fall ist. Im Gespräch mit Unternehmen sind es höhere Kosten, insbesondere steigende Gehälter, sowie Überkapazitäten, der intensivere Wettbewerb vor Ort und das aktuelle regulatorische Umfeld, die Unternehmen vorsichtiger machen", sagt Niina Äikäs.

Die meisten der befragten Unternehmen sind Hersteller und repräsentieren das sogenannte "alte China", während weniger als 10 Prozent der Befragten aus dem Dienstleistungssektor stammen. Sie sind viel zuversichtlicher und wachsen schneller. Das überrascht nicht, da China versucht, das Land hin zu einer dienstleistungsbasierten Wirtschaft umzustrukturieren. Der Tertiärsektor machte im vergangenen Jahr 51,6 Prozent des BIP aus; China strebt eine Erhöhung auf 70 bis 80 Prozent an, was dem Durchschnitt der fortgeschrittenen Länder entspricht. Neben der Dienstleistungsbranche schneiden die Unternehmen der Chemie-, Kunststoff- und Papierindustrie über dem Durchschnitt der Umfrage ab, berichten von wachsendem Vertrauen und investieren mehr.

Informationen auf Englisch

Vollständiger Report